Von und für Frauen – die BücherFrauen

Von und für Frauen – die BücherFrauen

Am Freitag war ich auf dem Weg zu den Bücherfrauen und dachte: Bücherfrauen, das ist entweder ein deutschlandweiter Lesezirkel oder ein Club von Autorinnen. Autorinnen zudem, die sich hauptsächlich mit dem Thema Frau beschäftigen. Doch weit gefehlt… Es geht um Bücher, ja und es geht um Frauen und es gibt auch Autorinnen, aber im Kern sind die BücherFrauen ein Netzwerk für alle Frauen, die in der Buchbranche tätig sind – also auch Frauen aus dem Marketing, der Pressearbeit, der Buchhaltung, Lektorinnen, Grafikerinnen und viele mehr…

An diesem Wochenende findet die jährliche Vollversammlung der Bücherfrauen in Berlin statt – im Rathaus Schöneberg. Frauen aus allen Teilen des Landes reisen an, um neben den notwendigen administrativen Angelegenheiten, auch zu Vorträgen, Workshops, gemeinsamen Mahlzeiten und Feiern zusammenzukommen.

Bücherfrauen 2016

 

Den Auftakt macht das Speed Meeting. Bis zu vier Frauen finden sich an einem der runden Tische zusammen und haben sechs Minuten für eine kurze Vorstellung. Dann wird zum Tischwechsel aufgerufen und die Mengen vermischen sich zu neuen Konstellationen. „Ich finde das klasse,“ erzählt mir eine Frau. „Auf diese Weise hat man unkompliziert schon mal mit einigen Frauen gesprochen.“ Zuerst bin ich etwas verdutzt, kennt man sich denn nicht? Nein, bei knapp 1000 Mitgliedern kennen sich noch nicht alle. Mancher mag schon von der einen oder anderen gehört haben, doch persönlich Treffen ist dann doch etwas anderes.

Beim Abendessen im Foyer des Rathauses werden alte und neue Kontakte weiter gepflegt und schließlich ist es Zeit, sich im Kennedy Saal zur offiziellen Eröffnungsveranstaltung zum Thema Lesen 2030 zusammenzufinden. Wie und was werden wir 2030 lesen? Welche Impulse können von den BücherFrauen ausgehen?

In ihrem Grußwort weist Jutta Kaddatz, Bezirksstadträtin für Bildung, Kultur und Sport, darauf hin, wie wichtig Bibliotheken und damit der freie Zugang zur Literatur sind. Danach spricht Britta Jürgs, AvivA Verlag und Vorstand der Kurt Wolff Stiftung, in ihrem Impulsvortrag über Bibliodiversität. Vielfalt der Kreativen, Vielfalt der Inhalte und Vielfalt der Gestaltung. Sie weist darauf hin, dass diese Vielfalt bedroht ist. Der Gefahr einer geistigen Monokultur kann jedoch durch unabhängige Verleger entgegengetreten werden, wenn diese von Lesern unterstützt werden. Auch die Nutzung lokaler Buchhändler ist für den Erhalt der literarischen Artenvielfalt wichtig.

Fünf Frauen hat das Berliner BücherFrauen-Team ausgewählt, um sich im Anschluss über das Jahresthema Lesen 2030 auszutauschen.

Bücherfrauen 2016 - Netzwerk

Podiumsdiskussion mit:

Britta Jürgs, AvivA Verlag und Vorstand Kurt Wolff Stiftung
Jana Stahl, Bloggerin und Podcasterin der Radio-Büchersendung „Frisch Gepresst“
Moderation: Shelly Kupferberg, Journalistin und Moderatorin
Gudrun Ingratubun, Übersetzerin aus dem Indonesischen, Buchpädagogin und Buchkünstlerin, Salonnière
Katharina Borchardt, Literaturredakteurin des swr2 und Mitglied der Weltempfänger-Jury von Litprom
Karla Paul
, Verlegerin edel & electric und Bloggerin

Das Gespräch der Frauen und später auch mit dem Publikum ist anregend und macht neugierig auf mehr. Alles wiederzugeben würde den Rahmen sprengen, doch ein paar Punkte möchte ich anführen. Es scheint als habe sich die anwesende Lesewelt mit dem E-Book arrangiert, auch wenn darauf hingewiesen wird, dass sich ein „echtes“ Buch immer noch besser anfühlt… Vielmehr geht es in den Gesprächen um das Lesen selbst. Es wird von Lesekompetenz gesprochen, 23__mg_6403-12-xdie gefördert werden sollte, vom Vorlesen, das auch gelernt sein will und dann geht es wieder um die Vielfalt. Karla Paul zeigt eindrücklich auf, dass sich der Kulturbetrieb oft genug selbst im Weg steht, wenn es um Vielfalt geht. „Wer bestimmt, was Literatur ist? So ist Kunst doch aber nicht gedacht. Gräben werden durch elitäre Vorurteile vertieft,“ sagt sie und setzt sich für die Würdigung vielfältiger literarischer und gemischter Erzählformen ein, letztere, die Text mit Bild und anderen Medien verbinden.
Später weist sie auf das Problem hin, dass kleine Onlineverlage kaum Chancen haben, sich gegen die großen Onlineshops zu behaupten. „Die Leser sind so trainiert bei den großen Onlineshops zu kaufen, dass sie Alternative kaum entdecken und nutzen.“ Und seien wir mal ehrlich: Nicht bei Amazon einkaufen ist wie joggen gehen: Zuerst muss man den inneren Schweinehund überwinden, dann läuft man los und danach fühlt man sich so richtig gut. „Am Ende geht es um das Geld, aber dafür sind wir nicht in der Buchbranche. Verlage könnten etwas verändern, wenn sie Einfluss auf die großen Shops nehmen würden,“ sagt Karla Paul.

Und dann geht es wieder um das Lesen. Finden wir noch die Zeit dazu? Wie könnte „sich Zeit nehmen zum Lesen“ gefördert werden? Sind Lesestunden das neue Yoga? Auch Lesepaten werden angesprochen und dass das Lesen einer Landkarte ebenso förderlich ist, wie das Lesen einer Geschichte. Auch die Geschichten kommen ins Visier und es wird gefragt, ob die Charaktere unserer Geschichten die Vielfalt unserer Gesellschaft wiederspiegeln.

Am Ende ist es wieder Karla Paul, die trifft – einen Gegenpol zur leicht betrübten Stimmung schafft: „Wenn jemand wie Trump Präsident werden kann, dann können wir auch alles schaffen, gerade zusammen.“

Das sind die Bücherfrauen… Erfahren Sie mehr über die Mitgliedschaft und über die Bücherfrauen.

 

Bildergalerie – Bücherfrauen in Berlin – November 2016

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Fotos & Text: Ellen Paschiller