Künstlerische Vielfalt in Schöneberg

Künstlerische Vielfalt in Schöneberg

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Die schöneberger art ist eine Initiative von Künstlerinnen, Künstlern und Galeristen, die ihre Arbeiten einem großen Publikum vorstellen. So öffneten auch am letzten Wochenende 58 Ateliers und 20 Galerien ihre Türen – künstlerische Vielfalt stand auf dem Programm.

Ausgerüstet mit einem Lageplan konnte jeder Interessierte eine Tour durch die teilnehmenden Ateliers und Galerien unternehmen oder sich einer der geführten Touren anschließen.

Sibylle Nägele auf der InseltourDie Autorin und Multimedia-Konzepterin Sibylle Nägele & ihr Partner Joy Markert haben sowohl am Samstag als auch am Sonntag zwei Touren angeboten: die Fototour und die Inseltour. Auf der Inseltour – quer über die roten Insel in Schöneberg – haben wir sie begleitet.

Joy MarkertAllein diese kleine Tour hat einen Eindruck davon erlaubt wie vielfältig die Kunstszene sowohl in ihren Werken als auch in ihren Charakteren, Inhalten und Lebensräumen ist.

Sibylle Nägele & Joy Markert geben einen Einblick in das Leben & Werk der jeweiligen Künstlerin und des Künstlers und auf den Wegen zwischen den Kunstorten haben sie noch manch interessante Geschichte zum Bezirk, seinen Menschen und seiner Geschichte zu erzählen.

 

STATION 1: 55 limited Kupferdruck und Galerie

55 limited Kupferdruck und Galerie

55 limited ist eine der wenigen in Berlin verbliebenen Kupferdruckwerkstätte. _MG_8218-55Gegründet und geführt wird sie vom Künstler Peter Th. Mayer, der nach Studienaufenthalten in Italien, Frankreich und den USA und vielen ausgedehnten Reisen hier in Berlin seine Werkstatt eröffnet hat, in der er sowohl Drucke in kleinen Auflagen anbietet (maximal eine Auflage von 55), seine eigenen Arbeiten herstellt als auch durch diverse Angebote wie z.B. Artist in residence“ anderen nationalen und internationalen Künstlern einen Anlaufpunkt und einen Präsentationsort bietet.

Die Besucher der Tour fragen Peter Th. Mayer nach seinem Leben und er schwärmt von seinem Studienaufenthalt in New York und erklärt mit derselben Leidenschaft wie der Kupferdruck funktioniert.

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55 limited Kupferdruck und Galerie, Feurigstraße 62, 10827 Berlin, www.55ltd.net

 

STATION 2: Almud Moog, Malerin

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Von der Galerie geht es weiter in die Privatwohnung der Malerin Almud Moog, die zwar auch ein Atelier hat, aber für die schöneberger art einen Teil ihrer Arbeiten in ihrer Schöneberger Wohnung präsentiert. Beim Betrachten ihrer Arbeiten ist häufig ein Fluss, eine Dynamik spürbar und es überrascht nicht als sie erzählt, dass eine ihrer Bildreihen von Musik inspiriert wurde: Musiklandschaften. Landschaften sei es auf Reisen oder in der Heimat ihres Mannes Bayern prägen ebenfalls einen Teil ihrer Arbeit.

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Almud Moog, www.almud-moog.de

 

STATION 3: Christine van Beveren & Wolfgang Leonhardt

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Christine van Beveren und Wolfgang Leonhardt arbeiten zusammen – sie sind zusammen – sie leben zusammen – sie teilen zusammen und doch zeigen ihre Arbeiten kaum Ähnlichkeiten. 

Während Christine van Beveren sich mit Design, Möbeln, Stoffen, der Entdeckung neuer Körper, der Inszenierung bekannter Körper an ungewohnten Orten aber auch der Gefangenschaft – „gefangen in sich selbst“ also den Grenzen beschäftigt – bringt Wolfgang Leonhardt in seiner Volks-Galerie Humor (ein Fläschen „Schnee von Gestern“) mit politischer und gesellschaftskritischen Prise (BER, Milka, Mauerfall…) in die Bilderrahmen und dafür greift er hin und wieder auf Materialien zurück, die bei Christine van Beveren noch kein Verwendung gefunden hatten.

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Christine van Beveren – www.koerperimraum.de & Wolfgang Leonhardt – www.volks-galerie.de – Gotenstraße 78, 10829 Berlin

 

STATION 4: Judith Brunner, Malerin

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Judith Brunner hat gerade ihr neues Ladenatelier bezogen, weswegen, wie sie lachend erklärt, der Boden noch ganz sauber ist – so ganz ohne Farbflecken „Aber das ist auch mal ganz schön…“. Judith Brunner arbeitet häufig abstrakt. Dabei bricht sie mit dem üblichen Rahmen der vier Seiten eines Bildes und lässt Formen in den Raum wachsen – manchmal als runde Wölbungen, manchmal als Kanten. Doch sie beschränkt sich nicht auf einen Stil oder eine Form, sie läßt sich inspirieren und was ihre Aufmerksamkeit weckt, findet in Ihren Arbeiten niederschlag. Dabei möchte sie Mehrdeutigkeiten und eine Vielfalt an Sichtweisen schaffen. „Selten ist das Leben eindeutig. Jeder Eindruck setzt sich aus der fragmentarischen Wahrnehmung des Betrachters zusammen, der Gleichzeitigkeit verschiedener Elemente“, schreibt sie über ihre Arbeit.

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Judith Brunner, Gustav-Müller-Platz 3, 10827 Berlin, www.judithbrunner.com

 

STATION 5: Alejandro Morales Gonzalez, Maler

 

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Und wieder führt unsere Tour in die Privatwohnung eines Künstlers, diesmal allerdings, weil der junge Vater noch kein Atelier für seine intensiven Bilder gefunden hat. Nicht jeder hat einen Zugang zum Boxen, doch die Bilder von Alejandro Morales Gonzalez sind leidenschaftliche, starke Portraits. Die gebrochene Stärke, der Moment des Aufpralls, der Schlag ins Gesicht werden ebenso thematisiert wie aktuelle Themen, die Schmerz und Verunsicherung verbreiten: Charlie Hebdo und ISIS Kämpfer.

Alejandro Morales Gonzalez läd die Besucher ein seine Arbeiten zu entdecken, sie nicht nur anzusehen, sondern auch anzufassen und zu hinterfragen. Er wünscht sich die Auseinandersetzung, er möchte teilen, was ihn bewegt.

 

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Alejandro Morales Gonzalez, Gustav-Müller-Straße 39, 10829 Berlin, www.amkunst.com

 

 

STATION 6: Morena Regaiolli, Malerin

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_MG_8440-morenaSind es die Formen aus der Tattoomalerei oder ist es die Schönheit mit brutaler Spitze, die zuerst ins Auge fallen? Ich kann mich nicht mehr erinnern. Die Bilder der Malerin Morena Regaiolli haben etwas trügerisches, sie nutzen Schönheit und fügen dann ein oder mehrere Elemente hinzu, die provozieren, die mit der Schönheit brechen – mit der heilen Welt. Da ist der weibliche schöne Oberkörper, die Brüste von den Oberarmen geschützt bis auf eine Brustwarze, die das gewohnte Bild von geheimnisvoller Schönheit stört. Da ist auch die politische Frage an eine schöne Hauswand gekritzelt: Wer ist dieser Deutschland? Neben diesen intensiven und gesellschaftskritischen Arbeiten, finden sich auch abstrakte Bilder und Bilder, die die Formen und Muster der Tattoomalerei aufnehmen. Vielfalt und Vielfältigkeit trifft nicht nur auf unsere kleine Tour zu, sondern auch auf die ganz unterschiedlichen, oft sehr anregenden Bilder von Morena Regaiolli.

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Morena Regaiolli, Gustav-Müller-Straße 33a, 10829 Berlin, www.regaiolli.blogspot.com 

 

Ein herzliches Dankeschön an Sibylle Nägele & ihren Partner Joy Markert für diese wunderbare Tour und an die Künstlerinnen und Künstler, die ihre Türen dem Publikum geöffnet haben. Bereits im März 2016 im Rahmen des Frauenmärz 2016 werden voraussichtlich wieder Touren durch die Ateliers & Galerien in Tempelhof-Schöneberg angeboten und im kommenden November können wir uns auf die 9.Auflage der schöneberger art freuen.

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eine Arbeit von Wolfgang Leonhardt | Volks-Galerie
eine Arbeit von Wolfgang Leonhardt | Volks-Galerie

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Text & Fotos: Ellen Paschiller