Tanztheaterstück „So fern, so nah“

Tanztheaterstück „So fern, so nah“

ZUSATZTERMIN: 05.August 2017 um 18.30 Uhr

Der Natur-Park Schöneberger Südgelände ist in den letzten Jahren immer mehr en vouge.  Der Rangierbahnhof Tempelhof  wurde nach dem Zweiten Weltkrieg etappenweise stillgelegt. Wie ein verborgener Ort, in dem die Zeit zum Stillstand gekommen ist, wirken das 18 Hektar große Gelände zwischen den Gleisen der S2 und S25 und der ICE-Strecke. Claudia Berg beschreibt diesen Ort wie folgt: „Der morbide, wilde Charme des Natur-Parks beflügelt die Phantasie und lässt ein Gefühl entstehen als würde geflüstert über Ankommen, Abschied, Geheimnis, Vergänglichkeit und Verwandlung.“

Ein paar Relikte wie die stillgelegten Gleise, die Brückenmeisterei, die Lokhalle, die Drehscheibe oder der Wasserturm erinnern an diese Vergangenheit. Die Drehscheibe ist schon lange verwaist. Hier wurden Dampflokomotiven, die meist nur vorwärtsfahren können gewendet.  Claudia Berg meint heute über die Drehbühne: „Mit der Untätigkeit hat sich ein Mantel des Schlafes über sie gelegt. Schienen kommen aus dem Nichts und führen in das Nichts. Die Zuschauer blicken von dem Drehgleis auf zwei durch einen Graben getrennte „Räume“. Diese Räume werden zur Bühne und die Kulisse bildet das Grün drum herum.“ Ich bin sehr gespannt, wie ein Ort wie die Drehscheibe bespielt werden kann.

Es hatte die ganze Woche immer wieder sturzbachartig geregnet und auch für den ersten Abend ist Regen und Sturm angekündigt. Die schwüle Luft ist stickig. Der Himmel ist milchig und die üppige Natur entlang des Weges leuchtet in vielen grünen Farben bis man die strenge geometrische Form der dunkelrotgeziegelten Drehscheibe erreicht. Oben auf der Drehschiene, wie auf einer Theaterempore sitzen die Zuschauer.

So fern so nah - TanztheaterAn drei Abenden tanzen Claudia Berg und Maco Inagawa ihre neue Produktion „So fern, so nah“.  Sie haben bereits mehrfach in vergangenen Sommern im Park getanzt. Mit Mitteln des Ausdrucktanzes und des Butoh-Tanzes setzten sich die beiden Tänzerinnen diesmal mit „Nachbarschaftlichen Verhältnissen“ auseinander.

Getanzt wird die Geschichte zweier unterschiedlicher Frauen. Sie wohnen Tür an Tür. Die eine, die zugezogen ist, die andere, die bereits lange hier wohnt. Jede für sich. Beide stecken in ihrem jeweiligen gewöhnlichen Alltag. Es geht um Ankommen und das kann still oder wild und unberechenbar sein. Dabei geht es um das Miteinander, unterschiedliche Gewohnheiten, unterschiedliche Sprachen und Stereotypen. Diese Emotionen und Träume werden sehr minimalistisch in den Bewegungen angedeutet. Die erste direkte Begegnung zwischen den beiden Frauen endet im Streit.  Die deutsch Sprechende hat sich ausgesperrt und möchte über den Balkon der anderen Wohnung in ihre hineinklettern. Die Animositäten zwischen den Frauen und die sprachlichen Missverständnissen führen zu einer heftigen Auseinandersetzung und zu einem physischer Kampf, in dem sich die eine bei der anderen Zutritt verschafft. Die gemeinsame Erfahrung der beiden Frauen in einer Höhle verändert ihre Beziehung zueinander.

Die Bilder, die dabei entstehen sind lyrisch, poetisch, grotesk, gewalttätig und humorvoll. Sie möchten uns berühren. An unsere eigenen Erfahrungen und Erinnerungen mit Nachbarn anknüpfen.

Begleitet wird die Tanzdarbietung durch experimentelle, elektronische Musik, Klänge, Geräusche und das vorbeisausen der verschiedenen ICEs. Diese akzentuieren das Geschehen auf der Bühne.

So fern so nah - Tanztheater

 

 

 

 

Produktion und Mitwirkende: Claudia Berg, Maco Inagawa
Technik und Organisation: Anette Hörtensteiner

Mehr über Claudia Berg können Sie auf ihrer Website erfahren:
http://www.slowstrokemassage.de/tanz.html

Mehr über Maco Inagawa können Sie auf ihrer Website erfahren:
www.4rude.com

Aufführungen 20.07 bis 22.07.2017
Am 22.07. konnten wir mit „so nah – so fern“ nicht auftreten,
daher
 gibt einen Nachholtermin am 05.August 2017 um 18.30 Uhr

 


Gefördert durch die Dezentrale Kulturarbeit Tempelhof-Schöneberg

Text & Fotos: Yvonne de Andrés