Tunnelblick

Tunnelblick

 

Am Samstag, 16. September 2017, fand auf dem Gelände des Natur-Park Südgelände zum ersten Mal der „Tag der offenen Kultur“ statt. Der Park liegt im Süden von Schöneberg, direkt am S-Bahnhof Priesterweg. Wer die Parkanlage, eine Mischung aus wilder Natur, Technik-Ruinen und Kunst, von der S-Bahn her betritt, muss unweigerlich durch eine Öffnung im Mauerwerk den Tunnel am Überführungsbauwerk betreten.

Charme des Natur-Park Südgelände

Überraschend steht man mitten in einem Tunnel. Früher verlief hier die Bahntrasse der Anhalter und Dresdener Bahn, und das Gelände gehörte zum Rangierbahnhof Tempelhof. Hier wurden die Züge neu zusammengestellt. Nachdem ab 1952 keine Züge mehr zum Anhalter Bahnhof fuhren, wurde die Strecke stillgelegt. Bis 1969 wurde der Güterbahnhof noch genutzt, danach fing die Natur an, sich das Gelände zurück zu erobern. „Ein Ort, der jetzt ganz und gar der Natur gehört und dennoch Spuren von Zug, Reise, Fahrt, Geschwindigkeit und Zeit wahrnehmen lässt“, so der Video- und Lichtkünstler Rick Kay.

Den Künstler hat dieser Ort mit seiner Topographie gereizt. Er nimmt in seinen Arbeiten die Geschichte und Struktur auf, interpretiert diese „Informationen“ in Licht, Musik, Bewegung um. Der etwas gebogene Tunnel stellt eine graphische Herausforderung da. Rick Kay erzählt: „Der Tunnel ist von Durchgängen durchbrochen, die „Ein-“ und „Ausblicke“ gewähren. Ein interessanter Aspekt und ein lichttechnische Herausforderung.“

Tunnelblick

Acht Stunden wurden die Wände komplett als Projektionsfläche für die Live-Video-Installation bespielt. Eine spezielle Mapping-Software wurde für die Collagen an der Gebäudestruktur verwendet. Hier ging es nicht um das, was man üblicherweise unter einem Tunnelblick versteht. Dieser Tunnelblick ist zwar die Verengung des Blicks in eine Richtung, jedoch nicht eine Einschränkung der Wahrnehmung.

„Die Bilder werden überwiegend aus geometrischen Strukturen bestehen; Naturornamente, -bildern und Naturphänomenen. Aus technischen Abläufen und Szenen, die entsprechende Musik in „slow-motion“  oder rasender Geschwindigkeit ablaufen können. Sie werden mit den Sinnen des Betrachters spielen“, erklärt der Künstler im Vorfeld seine Arbeit.

Wellen, Punkte, Streifen, geometrische Formen jeder Art spielten mit dem Raum. In der schnellen Abfolge entstand der Eindruck, dass die Wände zum Leben erweckt würden. Als ob die Wände einen eigene Puls hätten. Der Rhythmus, der Herzschlag der Videoinstallation wirkt wie ein Zeitgeber. Kontraktion und Dilatation verändern die Proportionen und Grenzen des Raumes. Die Proportionen wogten und schwammen angepasst an die geometrische Struktur.

Umso dunkler es im Park wurde, desto mehr verlagerten sich die Zuschauer in Richtung Tunnel, um die Lichtinstallation zu betrachten. Diese Live-Performance wollte mit dem Betrachter in Kommunikation treten. Das gelang sehr gut. Anfänglich begannen die Zuschauer etwas zögerlich den Tunnelraum abzuwandern, danach begannen sie angepasst an den Rhythmus der Lichtinstallation zu tanzen. 

RICK KAY  l.R.a.M

Der britische Video- und Lichtkünstler arbeitete nach seinem Studium fünf Jahre in Londons bekannten West End Theatre Scene und landete schließlich als Licht Designer im berüchtigten Club “The Brixton Fridge“, was für ihn den Anfang von EDM & Rave Kultur bedeutete.

Kurz vor der Fall der Mauer verschlug es ihn nach Berlin. Begonnen hat er seine künstlerische Laufbahn als Licht “Roadie“ im der Deutschen Indie Rock Scene. Schnell machte er sich einen Namen in Berlins Clubwelt  als „Lighting Designer“. Er wurde „Visual Chief“ des legendären Tresor Clubs,  wo es ihn bis 2013 hielt. Neben seiner Leidenschaft zu Rave und elektronischer Musik verband ihn seine Arbeit aber auch stets mit der Rock n Roll Maschinerie und der Event Industrie. Rick ist ein Koryphäe auf seinem Gebiet. Rick arbeitet seit über 20 Jahren als LD Worldwide für die Ikonische Deutsche Band Alphaville. Ihr letztes Video “heartbreak city“ war inszeniert & directed by Rick.

Seine Kundenliste beinhaltet Produktionen und Lighting-Designs für u.a. Genesis, The Gossip, K.I.Z, Anne Clark . Mit seinen Lichtkunst Installationen wurden bereits das Olympiastadion Berlin, das Microsoft Headquarter Berlin , den Berliner Dom , das Hotel de Rome  die Humboldt Universität und auch TV Shows und Theaterstücke ins richtige Licht gesetzt. Kay ist bis heute in Lighting-Design-Produktionen in über 70 Ländern der Welt tätig.

Zusammen mit The Core, einem internationalen Team von Media-Experten aus Berlin und Linz (Österreich), realisiert er spannende individuelle visuelle Projektions- und Lichtkonzepte und bietet Lösungen, die weit über reguläre Bühnenbilder- und Interior-Designs hinausreichen.

 

Text: Yvonne de Andrés 
Fotos: Yvonne de Andrés und Ellen Paschiller
Gefördert durch Dezentrale Kultur Tempelhof Schöneberg