WeibsBilder im Rathaus Schöneberg

WeibsBilder im Rathaus Schöneberg

WeibsBilder

Eine Ausstellung mit Arbeiten von Marula Di Como, Florencia Young, Eleni Papaioannou und Marion Schütt

Ausstellung Weibsbilder Rathaus Schöneberg„Bilder einer Ausstellung“ von Mussorgski empfängt mich, als ich das Foyer des Rathauses Schöneberg betrete. Passend für eine Ausstellungseröffnung, denke ich. Ich lehne mich an eine der Säulen, um der Musik zu lauschen und die Musiker zu beobachten. Die Dirigentin Cornelia Ottinger ist zierlich und erinnert dennoch ein wenig an eine Dompteurin. Laut Duden ist eine Dompteurin jemand, die wilde Tiere für Vorführungen dressiert. Tatsächlich haben diese schweren Blasinstrumente etwas von Elephanten und Nashörner – stark und voll Energie mit einem Hauch Unberechenbarkeit. Doch Cornelia Ottinger führt ihr Moving Home Ensemble Note für Note durch die Partitur, jeder Musiker folgt ihren Bewegungen und gemeinsam füllen Musiker und Dirigentin den Saal mit dem Wohlklang der Blasmusik und lassen Bilder im Kopf entstehen.

Das Orchester hat sich vor einer der Treppen aufgebaut und ich denke, wie gut das rote Bild im Hintergrund zu den goldenen Blasinstrumenten passt und frage mich, warum mir dieses Bild noch nicht früher aufgefallen ist. Erst später begreife ich, dass dieses Bild Teil des Triptychons von Eleni Papaioannou ist und damit Teil der Ausstellung „WeibsBilder“.

Ute Knarr-Herriger, die Leiterin der Dezentralen Kulturarbeit Tempelhof-Schöneberg, hat drei Künstlerinnen zu dieser Gemeinschaftsausstellung im Foyer des Rathauses Schöneberg eingeladen. Nun muss ich gestehen, dass Weibsbild bei mir das Bild einer dicken, rotzigen Frau hervorruft – so eine Art Berliner Zilleweib. Doch keine der anwesenden Künstlerinnen entspricht diesem Bild – nicht einmal ein kleines bisschen. Vielmehr zeichnen sie sich durch innere Stärke, Durchhaltevermögen und eine offene Ruhe aus – Frauen, die ihren Weg gehen. Dabei steht jede der Frauen für sich und die präsentierten Arbeiten und Schwerpunkte könnten kaum unterschiedlicher sein.

Ausstellung Weibsbilder Rathaus Schöneberg

 

Die Ausstellung wird von Jutta Kaddatz, der stellvertretenden Bezirksbürgermeisterin und Bezirksstadträtin für Bildung, Kultur und Sport, eröffnet und gemeinsam mit Ute Knarr-Herriger werden Blumen an die Künstlerinnen überreicht.

 

Eleni Papaioannou

Ausstellung Weibsbilder Rathaus SchönebergSpäter erhalte ich die Gelegenheit mit Eleni Papaioannou zu sprechen und mehr über ihre Arbeit zu erfahren. Das rote Bild – wie es bei mir heißt – hat seinen Ursprung in der Frührenaissance. Der italienische Maler, Kunsthistoriker und Mathematiker Piero della Francesca schuf 1460 das Ölgemälde „Madonna mit Kind“. Rechts und Links der Madonna stehen zwei Engel. Berührt von diesem Gemälde beschließt die Malerin, die Form der Engel auf zwei separte Bilder in Pastell und mit Pigmenten zu kopieren und sie mit einem abstrakten Mittelstück zu verbinden. Ich frage:“Warum gerade in rot?“ Und sie antwortet:“Weil ich rot mag.“ Ich frage weiter: „Warum das Zwischenbild?“ und sie antwortet:“Eigentlich hängen die drei Bilder direkt nebeneinander, aber das ging im Rathaus nicht. Das mittlere Bild schafft eine Verbindung zwischen beiden, aber es gibt dem Betrachter auch Raum zur Interpretation. Ich muss an Antoine de Saint-Exupery und seinen kleinen Prinzen denken, erinnert mich das mittlere Bild doch an den Elephanten, der von der Schlange verschluckt wurde. Als ich Eleni Papaioannou von dieser Überlegung erzähle, lacht sie. „Ja, das ist eine von vielen möglichen Interpretationen.“

Erfahren Sie mehr über Eleni Papaioannou

migrantas

Ausstellung Weibsbilder Rathaus SchönebergAls nächstes finde ich mich bei den migrantas ein. Die Gruppe um die Künstlerin Marula Di Como und die Grafik-Designerin Florencia Young zeigt zwei übergroße Piktogramme zum Thema Integration. An diesem Abend veranstalten sie zusätzlich zwei Aktionen. Ein Fotoshooting mit Sofortbildern und einem Piktogramm nach Wahl und Bügeln für die Integration. Es wurden Einkaufsbeutel einseitig bedruckt und Gäste der Ausstellung können die zweite Seite mit einem Piktogramm ihrer Wahl bebügeln. Beide Aktionen sollen ein Zeichen für das friedliche und respektvolle Miteinander der Kulturen setzen. Ich unterhalte mich eine Weile mit Florencia Young und während es viel darüber zu erzählen gibt, wer die migrantas sind und warum sie tun was sie tun, gibt es einen Punkt, den ich besonders interessant finde. Ich frage, ob die migrantas eine Mission haben. Während Florencia Young bestätigt, das sie sich für Integration einsetzen, so macht sie doch deutlich, dass sie nicht bewerten, also nicht festlegen, was eine vermeintlich richtige Integration sei. Vielmehr geben sie Menschen aller Kulturen Raum, sich mit dem Thema der Integration auseinanderzusetzen, ohne dass diese Menschen eine Bewertung ihrer Gefühle und Erfahrungen fürchten müssen. Ein Raum also, in welchem jeder betroffene seinen Erfahrungen Ausdruck verleihen kann. Ausdruck finden diese Erfahrungen in Zeichnungen, die wiederum von den migrantas in Piktogramme umgesetzt werden.

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Marion Schütt

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Foto Mascha Lohe

Nachdem ich mich an der kleinen Bar erfrischt habe, mache ich mich auf die Suche nach Marion Schütt. Die Fotografin, hatte ihre Bilder bereits beim letzten Frauenmärz unter dem Titel „Schlaglichter“ gezeigt, doch da diese Schlaglichter durchaus auch Weibsbilder sind, sollten sie dem diesjährigen Publikum nicht vorenthalten werden. Marion Schütt erzählt mir, dass dieses Projekt in Zusammenarbeit mit Ute Knarr-Herriger entstanden ist, die sich mit dem Thema beschäftigte, wie Frauen in der Kultur bestehen, was sie antreibt, wie sie sich über Wasser halten und wie sie von anderen wahrgenommen werden. Um diesen Fragen nachzugehen, hat Ute Knarr-Herriger eine Reihe bekannter und weniger bekannter Künstlerinnen interviewt, während Marion Schütt diese Gespräche fotografisch dokumentiert hat. Aus dieser Zusammenarbeit sind die Ausstellungsstücke aus Fotografien und Texten entstanden. Gezeigt werden gestandene Künstlerinnen wie Hanna Schygulla und weniger bekannte, aber ebenso faszinierende Künstlerinnen wie die blinde Malerin Silja Korn. Einen kurzen Überblick über diesen Ausstellungsteil finden Sie auf der Frauenmärz-Website.

Erfahren Sie mehr über die Filmemacherin und Fotografin Marion Schütt

 

Ausstellung Weibsbilder Rathaus Schöneberg

 

 

 

 

Die Ausstellung „WeibsBilder“ ist noch bis zum 24.April 2016 im Foyer des Rathauses Schöneberg zu sehen.

 

 

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DIE ERÖFFNUNG IN BILDERN

 

 

Text und Fotos: Ellen Paschiller